| Es befeuchtet die Haut und reguliere den Feuchtigkeitshaushalt - die Beautybranche schwört auf Glycerin. Doch der Stoff ist unter dem Hammer der Kritik gelandet: Glycerin trockne die Haut aus, warnen die Kritiker. Zeit, sich diesen Inhaltsstoff näher anzusehen. Glycerin ist in Wachsen und Ölen enthalten. Ein visköser, 3-wertiger bindungsfähiger Alkohol mit allerlei Qualitäten. Wir finden es in Frostschutz und Lösemitteln, Lebens- und Futtermitteln, es kommt als Weichmacher zum Einsatz und in Medikamente. Auch die Tabakindustrie macht von ihm Gebrauch für Shisha-Tabak. | Eine sirupartige Flüssigkeit - gewonnen durch eine chemische Verbindung von Wasser mit Fett oder Ölen - die aus Erdöl, als auch tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sein kann. Die höchste Reinheit ist dem medizinischen Bereich vorbehalten aus synthetischer Herstellung. Mittlerweile ist fossiles Glycerin vollständig durch das Glycerin aus der Herstellung von Bio-Diesel ersetzt. Da bei der Produktion von Bio-Diesel, das aus ölhaltigen Pflanzen generiert wird, Glycerin als Nebenprodukt abfällt, hat sich für kosmetische Zwecke der pflanzliche Stoff etabliert. Naturkosmetik greift auf Bio Palmöl, Raps- oder Sojaöl zurück. Doch auch aus Pflanzen gewonnen, bleibt Glycerin ein Stoff mit Bindungseigenschaft. |
Glycerin imprägniert
Spätestens dann, wenn dir jemand sagt, dass dreiwertiger Alkohol für Feucht-Mumifizierungen herhält, bekommst du das kalte Gruseln. Der Zuckeralkohol imprägniert Gewebe und Organe und hält diese hervorragend geschmeidig.
Aufgrund seiner Verbindungsfähigkeit mit anderen Substanzen war 3-wertiger Alkohol bereits im Mittelalter für die Anatomie hoch interessant. Stetig wurde an Verbesserungen, Methoden und Rezepturen für Imprägnierung, Konservierung und Feucht-Mumifizierung von Ganz- und Teilkörpern geforscht.
Auch die Ägypter der Pharaonenzeit mischten für die äußerlich aufgetragene Einbalsamierung 3-wertigen Alkohol in Tinkturen und Harze hinein. Allerdings erreichten sie mit dieser Behandlung nicht das wundervolle Ergebnis der Feuchtmumifizierung:
Als einer der schönsten Mumien kennen wir Rosalia Lombardo. Ihr Vater hatte zusammen mit dem Einbalsamierer Alfredo Salafia ein perfektes Gemisch aus Glycerin, Formaldehyd und Zink kreiert. Dieses Gemisch befindet sich im Inneren des kleinen Mädchens und hält den Körper von innen feucht, in einem luftdicht geschlossenen Behälter, in dem das Kind gebettet wurde.
Aufgrund seiner Verbindungsfähigkeit mit anderen Substanzen war 3-wertiger Alkohol bereits im Mittelalter für die Anatomie hoch interessant. Stetig wurde an Verbesserungen, Methoden und Rezepturen für Imprägnierung, Konservierung und Feucht-Mumifizierung von Ganz- und Teilkörpern geforscht.
Auch die Ägypter der Pharaonenzeit mischten für die äußerlich aufgetragene Einbalsamierung 3-wertigen Alkohol in Tinkturen und Harze hinein. Allerdings erreichten sie mit dieser Behandlung nicht das wundervolle Ergebnis der Feuchtmumifizierung:
Als einer der schönsten Mumien kennen wir Rosalia Lombardo. Ihr Vater hatte zusammen mit dem Einbalsamierer Alfredo Salafia ein perfektes Gemisch aus Glycerin, Formaldehyd und Zink kreiert. Dieses Gemisch befindet sich im Inneren des kleinen Mädchens und hält den Körper von innen feucht, in einem luftdicht geschlossenen Behälter, in dem das Kind gebettet wurde.
Glycerin funktioniert in Kosmetik
| Glycerin bindet auch das Wasser eines Produktgemisches und hält es zusammen. Dadurch bleibt das Produkt feucht. Über die Zeit würde ein Produkt üblicherweise austrocknen. Glycerin verhindert das. Glycerin kann auch die Feuchtigkeit aus pflegenden Bestandteilen (z.B. aus Hyaluronsäure) des Produktes ziehen und an Haut und Haar binden. Und für Kosmetika reichen bereits geringste Mengen aus. | Die technische Funktion von Glycerin
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Glycerin gelangt in den Körper
Kosmetische Stoffe können nachweislich in Körper und Gewebe eindringen. So seien laut Erkenntnissen von Dr. med. Walter Mauch nach Gebrauch von Cremes und Zahnpasta etwa 15 Minuten später Inhaltsstoffe im Blut nachweisbar. Einige Substanzen haben stark penetrations-fördernde Eigenschaften, wie PEG's, deren flexible Aggregatzustände für Kosmetik-Produzenten und Pharma überaus nützlich sind.
Mauch spricht in seinem Buch über das Lymphsystem des Körpers. Insbesondere die Inhaltsstoffe von Deos wandern über die Lymphbahnen der Achselhöhle in die Regionen des Körpers.
Da Glycerin bindungsfreudig ist, bindet es alles an sich, auch penetrierende Stoffe. Hier besteht die Überlegung, dass es auf diesem Wege auch sämtliche Stoffe des Produktes mit in das Gewebe ziehen könnte, gute wie schlechte. Und Glycerin wird aufgrund seiner Wasserlöslichkeit leicht vom Körper aufgenommen.
Da Glycerin bindungsfreudig ist, bindet es alles an sich, auch penetrierende Stoffe. Hier besteht die Überlegung, dass es auf diesem Wege auch sämtliche Stoffe des Produktes mit in das Gewebe ziehen könnte, gute wie schlechte. Und Glycerin wird aufgrund seiner Wasserlöslichkeit leicht vom Körper aufgenommen.
Was Sie über Chemie wissen sollten
„Glyzerin kann alles binden, Säuren, Basen, Mineralstoffe, Vitamine, Enzyme, alle Nährstoffe, alle chemischen Substanzen, natürlich auch alle Kunststoffe!“
Eine Säure, die Ihre Knochen entkalkt
„Calcium-Phosphat gibt den Knochen die Elastizität und Stabilität. Glyzerin spaltet das Calcium-Phosphat und bindet das Calcium.“
Dringt mühelos durch Ihre Haut
"Und nun kombinieren Sie Glyzerin in Deodorantien oder Cremes, in Zahnpasten mit Fluor. Unlösliche Komplexverbindungen entstehen, die sich in die Gewebe, Gefäße, Organe, Gehirn einlagern."
Glycerin macht die Haut träge !
Als körpereigene Substanz ist Glycerin ein Teil des hauteigenen Feuchthaltesystems (NMF - Natural Moisturizing Factor). Innerhalb des Stoffwechsels wird es bei der Spaltung hauteigener Fette (u.a. in den Talgdrüsen) durch Reaktion mit Wasser freigesetzt und gelangt hoch ins Stratum corneum (Hornschicht). Ein gesunder Hautstoffwechsel ist somit ein perfekt in sich geschlossenes System, ohne weiteren Bedarf an Feuchtigkeit.
Das besondere an Glycerin ist, dass es hygroskopisch ist. Dies bedeutet, dass es sich zwingend mit Wasser anreichert und Wasser automatisch anzieht. Dem von außen zugeführtem Glycerin ist es egal, ob es Wasser aus der Luftfeuchtigkeit oder deine eigene Hautfeuchte aus deinen tiefen Hautschichten bezieht und an sich selbst bindet. Diese Hautfeuchte steht deiner Haut dann nicht mehr zur Verfügung. Zudem ver-bindet sich zugesetztes Glycerin mit den abgestorbenen Hautzellen. Zusammen mit den toten Hautschüppchen liegt es als Schicht oben auf der Haut.
Anfangs fühlt sich die Haut durch das Glycerin geschmeidig und genährt an. Langfristig kann dabei die Regulation der Haut aus dem Gleichgewicht kommen: Die Haut meldet den Haushalt der Feuchtigkeit als stimmig, bedeutet, die Haut erhält eine Falschmeldung. Dabei verlernt die Haut systematisch die eigene Feuchtigkeitsregulation und stellt die Produktion eigener Feuchte hinten an. Deine Haut wird dehydriert, du cremst nach.
Glycerin in der INCI Liste
Naturgemäß ist Glycerin ein natürlicher Bestandteil aller Öle. Bei der Herstellung von Seife aus Kokos und Palmöl wird Glycerin freigesetzt und unter Mitwirkung von Mineralien als Katalysator zur Pflanzen-Kernseife verarbeitet. Hierbei wird kein Glyzerin zugesetzt! Doch der Gesetzgeber bestimmt, dass dieses pflanzeneigene Glycerin als isolierte Zutat aufgeführt wird. Zwangsläufig wird der Verbraucher hierbei irritiert.
Bei zugesetzten Glycerin spricht die Beautyindustrie von einer geschickten Mixtur: Glycerin binde nur dann die Eigenfeuchtigkeit der Haut, wenn das Produkt zu wenig Wasser enthielte oder das Glycerin zu hoch konzentriert sei. Hierbei wird die Funktionsweise der Haut übersehen. Zu guter Letzt sind die technischen Eigenschaften des Glycerins für die meisten Hersteller wichtiger als die belobten Eigenschaften für die Hautpflege.
Alternative Bezeichnungen zu Glycerin sind Glycerol und 1,2,3-Propantriol, auch Glycerolum, Glycerinester oder E 422 in Lebensmitteln.
Bei zugesetzten Glycerin spricht die Beautyindustrie von einer geschickten Mixtur: Glycerin binde nur dann die Eigenfeuchtigkeit der Haut, wenn das Produkt zu wenig Wasser enthielte oder das Glycerin zu hoch konzentriert sei. Hierbei wird die Funktionsweise der Haut übersehen. Zu guter Letzt sind die technischen Eigenschaften des Glycerins für die meisten Hersteller wichtiger als die belobten Eigenschaften für die Hautpflege.
Alternative Bezeichnungen zu Glycerin sind Glycerol und 1,2,3-Propantriol, auch Glycerolum, Glycerinester oder E 422 in Lebensmitteln.
Wir finden es als Zusatzstoff in Kosmetik oft zu Beginn der INCI, bereits an dritter oder vierter Stelle. Achte auf die Reihenfolge der Inhaltsstoffe. Glycerin sollte wenigstens im letzten Viertel der INCI stehen. Die Produkte sollten dazu wertige Lipide enthalten: Öle, Squalan oder Buttern.
Öle und Buttern stabilisieren den natürlichen Säureschutzmantel der Haut, versorgen die Hautzellen anhaltend mit Feuchtigkeit, beugen allergischen Reaktionen der Haut, sowie Unreinheiten und Irritationen vor.
Öle und Buttern stabilisieren den natürlichen Säureschutzmantel der Haut, versorgen die Hautzellen anhaltend mit Feuchtigkeit, beugen allergischen Reaktionen der Haut, sowie Unreinheiten und Irritationen vor.
Was gute Hautpflege ausmacht
Sowohl bei einer gestörten Hautbarriere als auch mit zunehmendem Alter verliert die Haut an Feuchtigkeit und hat zu wenig Lipide. Beim Letzteren Hautzustand verliert die Haut zudem an Elastizität und die Faltenbildung nimmt zu. In beiden Fällen besteht das gemeinsame Ziel darin, den Mangel an Feuchtigkeit und Lipide auszugleichen.
Dieses kann mit hochwertigen Moisturizern (Humectants) wie Hyaluron, Aloe-Vera, sowie Fruchtsäuren herbeigeführt werden und ist kombinierbar mit Aminosäuren, Peptiden und Ceramiden. Um die Verdunstung von Wasser zu verringern, d.h. den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) zu senken, schließen hautverwandte Lipide wie Sheabutter, Squalan, Phytosterine oder Jojobaöl die Pflegeroutine ab. Dieser Effekt wird auch als “Okklusion“ bezeichnet.
Dieses kann mit hochwertigen Moisturizern (Humectants) wie Hyaluron, Aloe-Vera, sowie Fruchtsäuren herbeigeführt werden und ist kombinierbar mit Aminosäuren, Peptiden und Ceramiden. Um die Verdunstung von Wasser zu verringern, d.h. den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) zu senken, schließen hautverwandte Lipide wie Sheabutter, Squalan, Phytosterine oder Jojobaöl die Pflegeroutine ab. Dieser Effekt wird auch als “Okklusion“ bezeichnet.
TITELBILD: Pixabay , bearbeitet
ARTIKEL UPDATE: September 2023
QUELLEN
Glycerin Herstellung
https://www.chemie.de/lexikon/Glycerin.html#Herstellung
Hydrolyse – Chemie-Schule
https://www.chemie-schule.de/KnowHow/Hydrolyse
Die Bombe unter der Achselhöhle
Dr. med. Walter Mauch
ARTIKEL UPDATE: September 2023
QUELLEN
Glycerin Herstellung
https://www.chemie.de/lexikon/Glycerin.html#Herstellung
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Die Bombe unter der Achselhöhle
Dr. med. Walter Mauch
Über Mumien und Glycerin
Glycerin
Biologie: Glycerin
https://www.biologie-seite.de/Biologie/Glycerin
Altmeyers Enzyklopädie: Dermatologie Glycerin
https://www.altmeyers.org/de/allergologie/glycerin-inci-25049
Hautfeuchte
Phytosterole – rein pflanzliche Wirkstoffe gegen trockene Hauthttps://www.gesundheit.com/gesundheit/1/phytosterole-rein-pflanzliche-wirkstoffe-gegen-trockene-haut
Biologie: Glycerin
https://www.biologie-seite.de/Biologie/Glycerin
Altmeyers Enzyklopädie: Dermatologie Glycerin
https://www.altmeyers.org/de/allergologie/glycerin-inci-25049
Hautfeuchte
Phytosterole – rein pflanzliche Wirkstoffe gegen trockene Hauthttps://www.gesundheit.com/gesundheit/1/phytosterole-rein-pflanzliche-wirkstoffe-gegen-trockene-haut
Mumien
Forscher lösen das Rätsel der makellosen Mumie
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/einbalsamierung-forscher-loesen-raetsel-der-makellosen-mumie-a-623616.html
Ägypter balsamierten ihre Toten schon vor 6000 Jahren
https://www.tagesspiegel.de/wissen/agypter-balsamierten-ihre-toten-schon-vor-6000-jahren-3580219.html
Sind wir lebendige Mumien
https://fruchtfleischeslust.com/sind-wir-lebendige-mumien/
Uni Muenchen Masterarbeit: Feucht-Mumifizierung
https://edoc.ub.uni-muenchen.de/19183/1/Oehme_Yvonne.pdf
Forscher lösen das Rätsel der makellosen Mumie
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/einbalsamierung-forscher-loesen-raetsel-der-makellosen-mumie-a-623616.html
Ägypter balsamierten ihre Toten schon vor 6000 Jahren
https://www.tagesspiegel.de/wissen/agypter-balsamierten-ihre-toten-schon-vor-6000-jahren-3580219.html
Sind wir lebendige Mumien
https://fruchtfleischeslust.com/sind-wir-lebendige-mumien/
Uni Muenchen Masterarbeit: Feucht-Mumifizierung
https://edoc.ub.uni-muenchen.de/19183/1/Oehme_Yvonne.pdf
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