· 8 min read

PLASTIK AUF HAUT UND HAAR • IST SILIKON SCHLECHT?

PLASTIK AUF HAUT UND HAAR • IST SILIKON SCHLECHT?

In der Gesichtskosmetik und in der Haarpflege werden dieselben Silikone verwendet. Für beide Bereiche greift die Kosmetikindustrie auf dieselbe chemische Stoffgruppe zurück. Die Basisstoffe sind gleich, unterscheiden sich jedoch im kosmetischen Ziel: Je nach gewünschtem Effekt – wie dem optischen Auffüllen von Falten im Gesicht oder dem Erzeugen von extremem Glanz im Haar - variieren lediglich die Mixturen und die Viskosität (Zähflüssigkeit). Für Haut und Haar gilt gleichermaßen: Silikone pflegen nicht, sie tricksen nur. Erfahre jetzt, wie gut oder schlecht Silikone in der Haarkosmetik ticken!

DER  TREND IN DER HAARKOSMETIK

Für Menschen mit anspruchsvollen, störrischen, gefärbten oder dauergewellten Haar klingen die Versprechen der Beauty-Industrie trügerisch verlockend: Silikon glättet die Schuppenschicht und reflektiert das Licht, das Haar ist viel leichter kämmbar, glänzt intensiv und kann sogar auch spiegelglatt aussehen.

 

Silikon gilt als 'Superstoff' für aktuelle Haartrends, wie etwa Glass-Hair - ein Look, der mit speziellen Styling-Techniken sowie silikonhaltigen Produkten erreicht wird und ohne diese Polymere physikalisch kaum machbar ist.

 

Durch die glättenden Eigenschaften des Silikons wird geschädigtes Haar zwar optisch aufgepimpt, doch alle diese schönen Sofort-Effekte haben einen Preis.

DIE KEHRSEITE VON SILIKON 

1.  BUILD-UP-EFFEKT BEI HAAREN


Wer regelmäßig zu silikonhaltigen Produkten greift, manövriert sein Haar in einen Teufelskreis. Bei jeder Wäsche mit silikonhaltigen Produkten schichtet sich der Kunststoff – der sich wie klassisches Plastik verhält – immer dicker um das Haar (Build-Up-Effekt). Dies gilt für jede Art von Silikonen – selbst die von der Industrie angepriesenen wasserlöslichen Varianten lagern sich an, nur etwas langsamer.

 

Unter dieser Schicht trocknet das Haar mit der Zeit aus, weil weder Feuchtigkeit noch echte Pflegeöle die Barriere durchdringen können. Das Haar wird schwer, verliert an Volumen und hängt platt herunter. Oftmals wirken die Haare bereits nach einigen Stunden strähnig und fetten scheinbar schneller nach.

 

Das Ausmaß silikonhaltiger Produkte zeigt sich im Friseuralltag: Erfahrungsgemäß hängen Dauerwellen durch die Plastikschicht schneller aus oder gelingen gar nicht erst, und bei Colorationen wird die Anlagerung der Farbpigmente durch die Silikonrückstände erschwert. Nach solch einer chemischen Behandlung ist die natürliche Schutzschicht des Haares meist lädiert. Silikonhaltige Haarpflege repariert die Schäden nicht, sondern legt sich wie eine künstliche Maske über den Defekt, um gesunde Haare vorzugaukeln:

 

Erzwungene Lichtreflexion:

Silikone (besonders hochglänzende Varianten wie Dimethicone oder Phenyl Trimethicone) füllen kleinste Schäden in der Schuppenschicht lediglich künstlich auf. Das Haar glänzt zwar im ersten Moment, bleibt darunter aber marode.

 

Künstliche Versiegelung:

Konventionelle Okklusiva bilden eine spiegelglatte, wasserabweisende Barriere, die das Haar komplett einschließt. Dadurch wird zwar verhindert, dass Luftfeuchtigkeit eindringt und das Haar kraus macht (Anti-Frizz-Schutz) – gleichzeitig wird das Haar aber komplett von der Außenwelt isoliert.

Diese mechanische Schicht mindert zwar kurzfristig die Reibung beim Kämmen, zementiert jedoch langfristig den Zustand: Das Haar wird unter dem künstlichen Schutzmantel immer unerreichbarer für echte Pflege.

🔶 HIGH-TECH STRATEGIEN DER INDUSTRIE



Um das Image des Build-Up-Effekts zu umgehen, setzt die Kosmetikindustrie auf High-Tech-Varianten, die dem Verbraucher Schwerelosigkeit versprechen. Damit es bei diesen Varianten nicht zum extremen Build-Up kommt, reicht meist schon ein mildes Shampoo, um die Inhaltsstoffe wieder zu entfernen:

 

Kationische Polymere: Moderne Technologie hat Silikone chemisch so modifiziert, dass sie eine positive Ladung tragen. Diese positiv geladenen Moleküle docken selektiv wie Magnete an den geschädigten, negativ geladenen Haarstellen an, ohne den Rest des Haares zu beschweren. Auf der Inhaltsstoffliste ist diese Form als Amodimethicone gelistet.

 

Dimethicone Copolyol: Ein wasserlösliches Silikon. Es wird in leichten Gesichts-Seren ebenso eingesetzt wie in Shampoos, die sich leicht wieder auswaschen lassen sollen. Bis zur nächsten Wäsche lagert es sich um das Haar. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise Dimethicone Copolyol, PEG-8 Dimethicone oder PPG-12 Dimethicone.


Flüchtige Silikone verdunsten nach dem Auftragen durch die Körperwärme oder durch Föhnluft. Hierzu gehören Stoffe wie Cyclomethicone oder Cyclopentasiloxane. Beide gehören zu den wasserunlöslichen Stoffen. Sie hinterlassen zwar kurzfristig Glanz und lagern sich langfristig kaum ab, bergen aber gesundheitlich Risiken.

■■■■  Wasserunlöslichkeit und Flüchtigkeit schließen sich im Übrigen chemisch nicht aus. Man belässt das Produkt im Haar (Leave-in), Wasser oder Shampoo sind nicht nötig, um das Silikon von Kopf und Haar loszuwerden: Weil es gasförmig wird, erledigt die Verdunstung die Arbeit.

2.  KOPFHAUTPROBLEME UND HAARAUSFALL


Der Silikonfilm schwerer Silikone betrifft nicht nur die Haarlängen, sondern greift auch in die natürliche Funktion der Kopfhaut ein. Da Silikone die Follikelöffnungen an der Oberfläche blockieren können, drohen Schäden für das Haarwachstum.


Talgstau: Die Kopfhaut scheidet Talg und Schweiß aus, um die Hautbarriere geschmeidig zu halten. Silikone legen sich wie eine luftdichte Schicht über die Poren - als Ergebnis kann ein Talgstau begünstigt werden. Das feucht-warme Milieu bietet den idealen Nährboden für Pilze und Bakterien, was zu Schuppenbildung, Juckreiz und mitunter auch zu Mikroentzündungen führt.


Blockiertes Haarwachstum: Follikel sind das Fundament für das Haarwachstum. Wird ihre Funktion an der Oberfläche durch Silikonrückstände und gestauten Talg blockiert, leiden erfahrungsgemäß die Haarqualität und die Haarmenge. Das Haar wächst geschwächt nach, verliert an Dicke und neigt schneller zu Haarbruch.

 

Haarausfall: Da die Haarfollikel durch die permanente Reizung und eine gestörte Barrierefunktion der Kopfhaut geschwächt werden können, lockert sich im schlimmsten Fall die Verankerung der Haarwurzeln. Das Haar wird dünner und ein schleichender Haarausfall kann die Folge sein.

 

Silikone täuschen somit nicht nur gesundes Haar vor, sondern belasten an der Basis das Organ, das für den Nachwuchs verantwortlich ist: die Kopfhaut.

3.  DIE UNSICHTBARE GEFAHR IN DER LUFT


Flüchtige Silikone haben die Eigenschaft, insbesondere bei Wärme rasch zu verdampfen. Dadurch hinterlassen sie zwar so gut wie keine Rückstände auf Haut und Haar, verschieben das Problem jedoch auf eine gefährliche Ebene:

 

Die synthetische Verbindung löst sich keineswegs auf -  sie wechselt lediglich Aggregatzustand, wird zu Gas und geht unmittelbar in die Atemluft über.

 

Beim Föhnen und Stylen werden diese synthetischen Dämpfe unbemerkt eingeatmet. Dies geschieht verstärkt bei Haarsprays oder Leave-in-Produkten, da der feine Sprühnebel tief in die Atemwege gelangt. Auch in der Hautpflege dunsten die Stoffe direkt im Gesichtsbereich aus und werden so unvermeidlich inhaliert.


Da der Stoff verdunstet, bleibt zwar kein dauerhafter Film auf Haut und Kopfhaut zurück – dafür kriegst du ein Problem mit deinen Atemwegen.

 

Untersuchungen dokumentieren, dass sich diese flüchtigen Verbindungen dort absetzen und langfristig das Lungengewebe sowie innere Organe belasten können.

 

Während schwere Silikone das Haar ersticken – indem sie es durch ihre Schicht von Feuchtigkeit und echter Pflege isolieren, schädigen flüchtige Silikone direkt unsere Gesundheit über die Raumluft, bevor sie ungehindert in die weltweite Atmosphäre aufsteigen.

 

Doch es kommt noch dicker:

 

Ein Blick auf die Inhaltsstoffliste (INCI) verrät, dass diese flüchtigen Lungenbelaster meist als Cyclomethicone, Cyclopentasiloxane (D5) oder Cyclohexasiloxane (D6) getarnt sind. Warum genau diese Stoffe auch für unsere Umwelt ein massives Risiko darstellen, erfährst du im nächsten Teil dieser Serie.

4.  ABHÄNGIG VON OPTIK - HAUT UND HAAR



Durch die glättenden Eigenschaften des Silikons wird geschädigtes Haar optisch im Handumdrehen aufgewertet. Genau hier schnappt die psychologische Falle für den Konsumenten zu: Es entsteht eine regelrechte Abhängigkeit. Weil das Haar ohne Silikone sofort wieder glanzlos und strohig aussieht, greift der Verbraucher in der Hoffnung auf „tolle Haare“ immer wieder zu silikonhaltigen Produkten – eine kosmetische Sackgasse.


Dabei bleibt das Kernproblem trotz moderner Industrie-Versprechen dasselbe:



High-tech Silikone versprechen zwar eine leichtere Auswaschbarkeit, doch wird das Silikon bei jeder neuen Haarwäsche wieder frisch auf das Haar aufgebracht. Eine reparierende Funktion besitzen sie nach wie vor nicht. 


Fazit rund um Silikon in Kosmetik:


Stumpfe und faltige Haut, strohige Haare und gespaltene Spitzen (Spliss) werden nur kaschiert. Sobald das Silikon von Haut und Haar abgewaschen wird, sind der echte Zustand und die Schäden wieder sichtbar.


Trotz des Marketings rund um „neuartige Formeln“ oder „leichte Pflege“ bleibt das chemische Fundament oft unverändert. Bei den Bezeichnungen in der Deklaration (INCI) hat sich fast nichts getan. Nach wie vor lesen wir regelmäßig das Basis-Silikonöl Dimethicone auf den Rückseiten der Kosmetiktuben.

 

Der Verbraucher bezahlt in der Haarkosmetik für eine optische Illusion, die ihn fest an das Produkt bindet. Auch in der Hautkosmetik sieht es für den Verbraucher nicht besser aus: für den Smooth-Effekt kauft er suchtartig das nächste Produkt.

AUTOR: written by CLEAR YOU UP !

TITELBILD: abcxx_ck | Pixabay

➔ HIER GEHT ES ZUM GROSSEN FINALE (TEIL 3):



Die Umweltbilanz: Mogelpackungen, UBA-Studien und das historische EU-Verbot

Flüchtige Silikone lösen sich nach dem Stylen keineswegs in Luft auf, sondern reisen über globale Kreisläufe bis auf unsere Esstische. In Teil 3 ziehen wir die gnadenlose Umweltbilanz: Wir entlarven die „wasserlösliche Mogelpackung“ der Industrie, zeigen auf, warum der Gesetzgeber mit der neuen Verordnung (EU) 2024/1328 die Zügel drastisch anzieht [UBA] und wie du silikonfreie Naturkosmetik im Laden sofort erkennst.


Jetzt direkt weiterlesen: Hier geht es zu Teil 3 unserer Silikon-Serie