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PLASTIK AUF HAUT UND HAAR • SILIKON IM ÖKOKREISLAUF

PLASTIK AUF HAUT UND HAAR • SILIKON IM ÖKOKREISLAUF

Das Kosmetik-Lexikon umfasst über 500 verschiedene Silikonderivate. Nur ein Bruchteil wird davon verarbeitet. Den Hauptstoff kennen wir unter dem Begriff Dimethicone. Zuhauf bekommen wir diesen auf klassischen Produkten zu lesen, egal ob Haut- oder Haarkosmetik, der Stoff geht überall rein -  es ist der Liebling der Industrie und ein schwerer noch dazu. Doch Dimethicone und seine Brüder haben böse Schattenseiten. Es leidet der Mensch, ohne dass er es ahnt, dann leidet die Natur - unsere Umwelt rächt sich zeitversetzt. Es ist wichtig, dass du Silikone identifizieren kannst, um diesem Dilemma Bye-Bye zu sagen. Im ersten Teil dieser Serie haben wir analysiert, wie Silikon in Kosmetik wirkt und warum es so oft eingesetzt wird. Erfahre jetzt im dritten Teil die Fakten über den ökologischen Kreislauf der Silikone - du könntest überrascht sein: 

WORAN DU SILIKON ERKENNST

Die Kosmetikindustrie führt das Wort „Silikon“ selten im Klartext auf der Verpackung auf. Meist sind nur die komplizierten chemischen Verbindungen in der INCI-Liste angegeben. Das ist jedoch nicht weiter schlimm - du kannst eine simple Faustregel für die INCI-Liste anwenden. Silikone lassen sich nämlich sehr leicht an ihren typischen Endungen erkennen:

 

·       -cone (z. B. Dimethicone)

·       -conol (z. B. Dimethiconol)

·       -xane (z. B. Cyclopentasiloxane)

 

Hierbei gilt: Wenn Produkte diese Bezeichnungen aufweisen, ist Achtsamkeit geboten. Zwar wirbt die Industrie oft mit „wasserlöslichen Silikonen“ als bessere Alternative, doch auch diese sind reine Kunststoffe ohne Pflegewirkung mit hoher Umweltbelastung. Silikone sollten daher generell gemieden werden.


Um das Ausmaß der Belastung zu verstehen, unterteilt man die synthetischen Polymere chemisch in vier Kategorien.

nicht wasserlösliche Silikone

➡️ Die schweren Versiegler



Diese Silikone lassen sich nur mit starken, aggressiven Tensiden (Sulfaten) wieder auswaschen. Sie sind die Hauptverursacher des schweren Build-Up-Effekts auf Haar und Kopfhaut.



·      Dimethicone

·      Dimethiconol

·      Cetearyl Methicone

·      Cetyl Dimethicone

·      Stearyl Dimethicone

·      Trimethylsilylamodimethicone

·      Phenyl Trimethicone

nicht wasserlösliche, flüchtige Silikone

➡️ Die unsichtbare Gefahr


Diese Silikone sind zwar ebenfalls absolut wasserunlöslich, verschwinden aber nach dem Auftrag durch Verdunstung von der Kopfhaut und gehen als Gas in die Atemluft über.



·      Cyclomethicone

·      Cyclopentasiloxane

·      Cyclohexasiloxane

bedingt wasserlösliche Silikone

➡️ Die Magnet-Polymere

 

Diese Verbindungen haften durch ihre elektrische Ladung extrem hartnäckig an geschädigten Haarstellen. Sie lassen sich mit Wasser allein nicht abwaschen, schichten sich auf gesundem Haar aber nicht ganz so extrem auf wie die nicht wasserlöslichen Öle.


·      Amodimethicone

·      Behenoxy Dimethicone

·      Stearoxy Dimethicone​​

wasserlösliche Silikone

➡️ Die Abwasser-Belaster

 

Diese modifizierten Polymere wurden künstlich mit Polyethylenglykol (PEG) gekoppelt. Dadurch haften sie schlechter am Haar und lassen sich scheinbar unkompliziert mit klarem Wasser ausspülen, belasten dann aber ungehindert das Abwasser.


·      Dimeticone Copolyol​

·      Lauryl Methicone Copolyol

·      Hydroxypropyl Polysiloxane

·      Hydrolyzed Wheat Protein Hydroxypropyl Polysiloxane

·      Polysiloxane

·      PEG-12 Dimethicone

·      PEG-7 Amodimethicone

WASSERLÖSLICHE MOGELPACKUNG

Wasserlösliche Silikone sind die größte Mogelpackung der Kosmetikindustrie. Um ein eigentlich wasserunlösliches Plastiköl abwaschbar zu machen, koppelt die Industrie die Polymere künstlich mit stark wasserziehenden Stoffen – meist mit den umstrittenen Polyethylenglykolen (PEGs). Erkennbar ist dies in den Zutatenlisten an Begriffen wie „Copolyol“, dem direkten Kürzel „PEG-“ oder an alkoholischen Hydroxypropyl-Gruppen.

 

Das Silikon wäscht sich dadurch zwar scheinbar mühelos vom Haar, verschwindet aber keineswegs aus der Welt. Während unlösliche Silikone als zähe Schicht auf dem Kopf liegen, fließen die wasserlöslichen Varianten ungehindert in den Abfluss. Sie verhindern wohl einen Build-Up-Effekt auf der Kopfhaut, verlagern das synthetische Plastikproblem dafür aber direkt in unsere Gewässer.

 

Unlöslichkeit vs. Flüchtigkeit: Diese beiden physikalischen Eigenschaften werden oft fälschlicherweise gleichgesetzt, obwohl sie unterschiedliche Prozesse beschreiben:


  • Wasserunlöslichkeit beschreibt die mangelnde Interaktion mit Wassermolekülen (Hydrophobie). Der Stoff stößt Wasser ab und verbindet sich nicht mit ihm.

 

  • Flüchtigkeit beschreibt die Eigenschaft eines Stoffes, aufgrund eines hohen Dampfdrucks leicht vom flüssigen in den gasförmigen Zustand überzugehen.

 

Ein chemischer Stoff kann problemlos beides sein. Genau das macht flüchtige Silikone umwelt- und gesundheitspolitisch so hochgradig umstritten.

 

DIE UMWELTBILANZ 

1.  SILIKON LANDET IM ABWASSER


Da flüssige Silikone synthetischen Ursprungs und biologisch kaum abbaubar sind, belasten sie unsere Umwelt und schädigen Gewässer langfristig. 


Kommunale Kläranlagen können flüssige Kunststoffe nicht vollständig herausfiltern. Über das gereinigte Abwasser gelangen Rückstände in Flüsse, Seen und Meere, wobei wasserlösliche Verbindungen teilweise das oberflächennahe Grundwasser erreichen. Der Haupt-Endlagertopf für flüssige Silikone (wie Dimethicon / PDMS) bleibt dabei grundsätzlich immer das Sediment. 


Laut Berichten des Umweltbundesamtes (UBA) bilden diese langlebigen synthetischen Polymere am Gewässerboden Barrieren im Sediment und stören den Sauerstoffaustausch. Damit schädigen sie die bodennahe Tierwelt am Anfang der marinen Nahrungskette physisch und mechanisch – was den Fischen schlicht die Nahrungsgrundlage entzieht. Da die Moleküle von flüssigem Dimethicon zu groß sind, um in das Gewebe von Fischen einzudringen, reichern sie sich nicht in der marinen Nahrungskette an.


2.  ÜBER DIE ATEMWEGE AUF DEN TELLER

 

Die Bezeichnung „flüchtig“ ist eine der gefährlichsten Verharmlosungen der Kosmetikindustrie. Das Silikon verschwindet nach dem Föhnen oder Sprühen keineswegs im Nichts. Flüchtige Silikone verdampfen zwar im Badezimmer, bleiben aber nicht dauerhaft als Gas in der Luft – sie durchlaufen einen globalen Kreislauf.


Wer Haarspray oder Deos mit flüchtigen Siloxanen (D5) nutzt, setzt die eigenen Atemwege dem höchsten direkten Risiko aus: Die synthetischen Dämpfe stehen in hoher Konzentration im Raum und werden unmittelbar in die Lunge gesaugt. Der restliche Dampf zieht weiter und steigt in die Atmosphäre auf. Doch dort oben bleibt er nicht. 


Atmosphärische Messdaten beweisen, dass flüchtige Siloxane als Dämpfe weltweit die Luft und den Feinstaub belasten. Gebunden an Schwebeteilchen werden sie über riesige Strecken transportiert.


Regen und Schnee waschen die beladenen Partikel im Zuge des „Wash-out-Effekts“ aus der Luft und befördern sie zurück auf die Erde. Einmal am Boden, werden sie in unsere Gewässer gespült. Dort sinken die wasserabweisenden Partikel ab und lagern sich als langlebiges Umweltgift im Bodenschlamm (Sediment) von Flüssen, Seen und Meeren an. Laut Studien des Umweltbundesamtes belasten auch flüchtige Silikone die aquatische Basis der Nahrungskette. 

■■■■  Die Bindung an den Boden (Sedimentation):


Zyklische Silikone besitzen eine extrem hohe Bindungsaffinität zu organischem Material. Sobald sie mit dem Regen in Flüsse, Seen oder Meere gespült werden, sinken sie zu Boden und lagern sich massiv im Gewässerschlamm (Sediment) ab. Im Schlamm von Flüssen und Küstenregionen bauen sie sich extrem langsam ab – bei D5 dauert es im Sediment mehr als 1.200 Tage, bis sich nur die Hälfte des Stoffes zersetzt hat. (bezogen aus Cosmethically Active)

Doch im Gegensatz zu den flüssigen Riesenmolekülen sind diese flüchtigen Ringstrukturen klein genug, um die Zellwände von Lebewesen zu durchdringen. Sie reichern sich im Gewebe von Fischen an (Bioakkumulation) und wandern in der marinen Nahrungskette immer weiter nach oben.

 

Über den Verzehr von Fisch kehrt das akkumulierte Umweltgift schließlich an den Esstisch zurück. In diesem Moment ist die Gesundheit aller gefährdet – auch deine. Es ist völlig egal, ob du jemals selbst eine Haarspraydose berührt hast oder nicht.


Wissenschaftliche Studien der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) belegen, dass bestimmte Siloxan-Verbindungen im Körper zu Störungen des Hormonhaushalts führen, die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen und innere Organe wie Leber, Lunge oder Nieren schädigen können.

3.  WAS NICHT VERDAMPFT WIRD WEGGESPÜLT

 

Die Akkumulation in der Umwelt im Visier des Gesetzes: Flüchtige Siloxane (insbesondere D4, D5 und D6) sind umwelt- und gesundheitspolitisch hochgradig umstritten. Sie reichern sich in der Natur und in Gewässern massiv an und sind in der EU streng reglementiert. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat diese zyklischen Silikone offiziell als sehr persistent, sehr bioakkumulierbar und toxisch eingestuft:

 

  • Langlebigkeit: Sie zersetzen sich in der Natur nur sehr langsam und überdauern Jahre.
  • Bioakkumulation: Sie reichern sich massiv im körperlichen Gewebe von Lebewesen an.
  • Hormonelle Wirkung: Sie stören nachweislich das endokrine System (Hormonhaushalt).

EU-VERBOT (VERORDNUNG EU 2024/1328)

 

Dieses Verbot macht sehr deutlich, dass flüchtige Silikone keine harmlosen „High-Tech-Innovationen“ sind, sondern regulierte Umweltgifte. Neben der alarmierenden Gasbildung in der Raumluft existiert eine weitere handfeste Problematik: Viele dieser flüchtigen Stoffe werden in Kosmetikprodukten eingesetzt, die beim Abwaschen oder Duschen direkt im Abwasser landen, noch bevor sie überhaupt verdampfen können. Die gesetzlichen Konsequenzen im Überblick:

 

  • Seit 2020 (Rinse-off-Produkte): Strikte Beschränkung für Produkte, die wieder abgespült werden (wie Shampoos oder Duschgels). D4 und D5 dürfen nur noch in einer winzigen Minimenge von unter 0,1 Prozent enthalten sein. Dies kommt in der Praxis einem Verbot gleich.


  • Seit Juni 2026 (Erweiterung auf D6): Die EU-Kommission hat die Regeln verschärft. Seit Juni 2026 gilt die strikte 0,1-Prozent-Grenze in abwaschbaren Produkten auch für das größere Siloxan-Molekül D6.

 

  • Ab Juni 2027 (Leave-on- & Leave-in-Produkte): Für die Kosmetikindustrie tickt die Uhr, denn die EU schließt die letzte große Lücke. Auch für Produkte, die auf der Haut oder im Haar verbleiben (wie Hautcremes, Make-up, Haaröle oder Haarsprays), gilt ab dem 6. Juni 2027 die strikte Obergrenze von maximal 0,1 Prozent für D4, D5 und D6.



In der Praxis wird dies das vollständige Aus flüchtiger Stoffe in konventioneller Kosmetik bedeuten – um zu verhindern, dass sie beim Sprühen eingeatmet werden oder über den Abfluss globale Schäden anrichten.


FAZIT UND AUSBLICK  


Stoffe, die weder pflegen noch regenerieren, maximieren letztlich nur die Gewinne der Kosmetikhersteller. Wenn diese Substanzen dazu noch die Umwelt und die Gesundheit belasten, haben sie im Badezimmer nichts zu suchen.


Der Blick auf die Ökologie offenbart bei Silikonen jedoch nur einen Teil der Wahrheit. Wer konsequent auf tierleidfreie Kosmetik setzen will, muss um sie einen großen Bogen machen: Obwohl Tierversuche für reine Kosmetika in der EU verboten sind, zwingt das europäische Chemikalienrecht (REACH) Labore nach wie vor dazu, für die Risikobewertung dieser umweltgefährlichen Verbindungen neue Tierversuche durchzuführen.

■■■■ Die Interessen der Kosmetiklobby



Warum liest man in vielen Lifestyle-Magazinen oder herstellereigenen Berichten immer noch, dass flüchtige Silikone harmlos seien?


Die Antwort liegt in einer milliardenschweren Kosmetiklobby und den Interessen der globalen Chemiekonzerne. Um Verbote zu verhindern, finanziert die Industrie oft eigene, isolierte Labortests. Diese untersuchen meist nur die kurzfristige Wirkung auf der Haut, blenden aber die langfristigen Schäden in unseren Gewässern und der Atemluft komplett aus.


Lass dich von „Gefälligkeitsstudien“ oder Werbesiegeln wie „Frei von klassischen Silikonen“ nicht täuschen.


Während herstellereigene Tests oft nur das gewünschte, geschönte Ergebnis liefern, sprechen die unabhängigen Langzeitdaten von staatlichen Behörden wie dem Umweltbundesamt (UBA) oder der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) eine ganz andere Sprache: Silikone sind regulierte Umweltgifte.

SILIKON EFFEKTIV VERMEIDEN

Der Verzicht auf Silikone erfordert einen genauen Blick, denn viele Produkte, die laut Verpackung „frei von Silikonen“ sind, enthalten an deren Stelle Mikroplastik oder andere synthetische Filmbildner. Die Stoffe tragen lediglich andere Bezeichnungen wie Polyvinylpyrrolidon (PVP), Polyacrylate oder Polyquaternium – die filmbildende Wirkung auf dem Haar bleibt jedoch identisch.

 

Eine echte Alternative bietet zertifizierte Naturkosmetik. Silikone und synthetische Kunststoffe sind mit den Richtlinien von Bio-Standards unvereinbar und streng verboten. Das Sortiment reicht von günstigen Drogerieprodukten für den Alltag bis hin zu exklusiven Formulierungen im High-End-Segment.

 

Wer seine Haare sogar ganz ohne Chemie pflegen möchte, kann auf "No Poo" (Abkürzung für No Shampoo) umsteigen. Hierbei kommen statt flüssiger Tensid-Shampoos natürliche Alternativen wie Roggenmehl, marokkanische Lavaerde oder Haarseifen zum Einsatz. Auch die eigene Herstellung von Haut- und Haarpflege aus frischen, natürlichen Zutaten ist eine wunderbare Möglichkeit – denn diese ist garantiert silikonfrei, nachhaltig und ehrlich gesund für den Körper.

 

DER UMSTIEG IN DER GESICHTSPFLEGE



Genau wie bei den Haaren erfordert der Verzicht auf Silikone auch im Gesicht etwas Geduld. Silikone in Primern, Foundations oder Tagescremes gaukeln der Haut eine makellose Glätte vor, indem sie Poren und Fältchen einfach mit flüssigem Kunststoff auffüllen. Fällt dieser künstliche Weichzeichner weg, zeigt sich zunächst der echte Zustand der Haut. Wer auf silikonfreie Gesichtspflege oder echte Naturkosmetik umstellt, sollte mit folgenden Effekten rechnen:

 

  • Die Umstellungsphase: In den ersten ein bis zwei Wochen kann die Haut unruhiger wirken oder vermehrt Unreinheiten zeigen. Da die Poren nicht mehr luftdicht versiegelt sind, transportieren sie festsitzenden Talg und Schmutz endlich nach draußen.

 

  • Das veränderte Einzugsverhalten: Silikonfreie Cremes ziehen anders ein. Statt sofort eine seidenglatte Schicht zu hinterlassen, benötigt die Haut einen Moment, um die pflanzlichen Lipide aufzunehmen. Ein leichtes Einklopfen hilft dabei, die Pflege mit dem hauteigenen Talg zu verbinden.

 

  • Natürlicher Glow statt Plastikglanz: Nach der Umstellungsphase reguliert sich die Hautbarriere von selbst. Da pflanzliche Öle die Zellen mit wertvollen Fettsäuren und Vitaminen versorgen, kann die Haut Feuchtigkeit wieder eigenständig speichern.

Warum Silikone auch in der Clean-Beauty-Bewegung zu den absoluten No-Gos gehören, erfährst du in meinem Artikel über Clean Beauty im Regal. 


➔ HIER GEHT ES ZUM CLEAN BEAUTY ARTIKEL

Nachwort: Warum Silikon NICHT vertretbar ist

Wenn Silikone so schwer abbaubar sind, warum sind sie dann im Bauwesen als Fugenmasse, in Küchenutensilien und Medizin erlaubt?


Die Antwort liegt in der rechtlichen Risiko-Abwägung:


Am Bau erfüllt das Silikon einen zwingenden, essenziellen Zweck, um Gebäude vor schweren Feuchtigkeitsschäden und Schimmel zu schützen – es bleibt dort fest an der Wand. Ohne Silikonfugen würde Wasser in die Wände sickern. Schimmel im Mauerwerk, zerstörte Gebäude und schwere Lungenleiden durch Schimmelsporen bei den Bewohnern sind die Folgen. Ob in der Küche bei elastischen Kochlöffeln und hitzebeständigen Backformen oder in der Medizin als biokompatible Implantate und Herzklappen – Silikon erfüllt als fester, langlebiger Werkstoff einen wichtigen Dienst.


Gesetzgeber (wie die ECHA) wägen das unumgängliche Risiko am Bau, in der Medizin und im Haushalt im Sinne der Verhältnismäßigkeit ab, da es schlicht an gleichwertigen technischen Alternativen fehlt. Das europäische Chemikalienrecht greift stattdessen nach dem Vorsorgeprinzip genau dort hart durch, wo eine Belastung der Natur absolut vermeidbar und ökologisch vollkommen unsinnig ist.


Der entscheidende Unterschied zur Kosmetik:


Diese Gebrauchsgüter bleiben über Jahre stabil und fest im Einsatz. Sie lösen sich nicht auf, sie werden nicht eingeatmet und sie landen nicht im Abwasser. Das Umweltproblem entsteht ausschließlich durch die Verbrauchskosmetik:


Shampoos und Cremes nutzen diese synthetischen Polymere in flüssiger Form mutwillig, sodass wir ihn grundlos Tag für Tag tonnenweise in den Abfluss spülen oder als Dunst in die Lunge saugen, wie Risikobewertungen der ECHA zeigen. [ECHA CHEM]



Was am Bau eine notwendige Dichtung ist, in der Chirurgie Leben rettet und in der Küche sensible Oberflächen schont, wird im Badezimmer zur reinen Bequemlichkeit auf Kosten unseres Ökosystems. [UBA]

🔶 Tierversuche kommen über Schleichwege 


Hier stehen wir unvermeidlich (noch) vor einem ethischen Dilemma: Die Basis der Sicherheitsbewertung von Silikon-Materialien bilden historische und regulatorische Tierversuche. Diese werden zwingend am chemischen Grundstoff durchgeführt, bevor dieser überhaupt zur Herstellung von Silikonprodukten freigegeben wird.


Beim Schutz von Wohnraum vor Schimmel ist diese Spirale aus Tierversuchen aktuell kaum zu umgehen, da gleichwertige technische Alternativen fehlen. Doch genau deshalb ist der Missbrauch derselben Stoffe in Shampoos und Cremes – für einen rein kosmetischen, leicht ersetzbaren Sofort-Effekt – doppelt unentschuldbar. Für ein reines Luxusprodukt, das sich problemlos mit rein pflanzlichen Ölen formulieren lässt, ist jedes Tierleben im Labor eines zu viel.


Nach den Vorgaben der Europäischen Union dürfen neue Tierversuche für Chemikalien unter der REACH-Verordnung rechtlich schon heute nur noch als absolut „letztes Mittel“ (Last Resort) durchgeführt werden. Hierzu hat die EU einen umfassenden Fahrplan beschlossen, um Tierversuche bei der Sicherheitsprüfung von Industriechemikalien schrittweise komplett abzuschaffen. Diese modernen, tierversuchsfreien Verfahren werden unter dem Oberbegriff NAMs (New Approach Methodologies) zusammengefasst.

Veröffentlicht am: 12.09.2018

Aktualisiert am: 25.07.2026

AUTOR: written by CLEAR YOU UP !

TITELBILD: clickerhappy | Pixabay



TRANSPARENZ: Um diesen umfangreichen Dreiteiler fachlich auf den neuesten Stand zu bringen, wurde bei der Überarbeitung und Strukturierung der Daten eine KI-Assistenz genutzt.

WISSENSCHAFTLICHE QUELLEN UND STUDIENNACHWEISE

1. Behördliche Einstufungen & Chemikalienrecht (REACH)

 

Umweltbundesamt (UBA) – Chemikalienrecht:

REACH-Kandidatenliste: Cyclosiloxane als SVHC identifiziert (D4, D5, D6). Offizielle Pressemitteilung: www.umweltbundesamt.de/themen/reach-kandidatenliste-cyclosiloxane-als-svhc

 

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): 

Gefahrstoff-Datenblätter und Einstufungen zu Cyclosiloxanen (Suchwort: D4): www.baua.de/SiteGlobals/Forms/Suche/BAuA/DE/Servicesuche_Formular

 

Cosmacon Kosmetik-Fachglossar: 

Toxikologische Profile und gesetzliche Beschränkungen von Cyclomethicone (D4/D5/D6). Branchen-Expertenbericht zur Beeinträchtigung der Fortpflanzung: www.cosmacon.de/glossary/cyclomethicone

 

David Suzuki Foundation

Toxic ingredient to avoid: Siloxanes: davidsuzuki.org/living-green/dirty-dozen-siloxanes


CSB-Compliance (Fachinstitut für regulatorische Chemie): Das Ende des Tierversuchs in der Chemikalienbewertung – Die EU-Roadmap zur Abschaffung. Analyse des rechtlichen EU-Fahrplans zur schrittweisen Ersetzung von Wirbeltiertests durch moderne, tierversuchsfreie Verfahren (NAMs) als gesetzliches „letztes Mittel“ (Last Resort): csb-compliance.com/de/news-details/das-ende-des-tierversuchs-in-der-chemikalienbewertung


IEU-Monitoring (Europäischer Informationsdienst für Umwelt- und Chemiepolitik): ECHA reports steady shift towards non-animal testing under REACH. Offizieller Bericht über die regulatorische Praxis der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) und den messbaren Rückgang von Tierversuchen durch den Einsatz computergestützter und zellbasierter Alternativmethoden: ieu-monitoring.com/editorial/echa-reports-steady-shift-towards-non-animal-testing-under-reach/1242289?utm_source=ieu-portal


2. Ökotoxikologie & Umwelt-Monitoring (Gewässer, Luft & Tiere)

 

Wissenschaftliche Vogelei-Studie (Kanada):

Volatile Methylsiloxanes and Organophosphate Esters in the Eggs of European Starlings (Sturnus vulgaris) and Congeneric Gull Species from Locations across Canada. Veröffentlicht im Journal of Toxicology: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28771368 

 

Deutsche Fisch-Langzeitstudie:

Retrospektive Analyse zyklischer flüchtiger Methylsiloxane in archivierten deutschen Fischproben über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten. Veröffentlicht im Fachjournal ScienceDirect: www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969719360073

 

Atmosphärische Spitzenforschung (Aerosole):

Versteckter Silikon-Schadstoff verpestet unsere Luft: www.n-tv.de/wissen/Versteckter-Silikon-Schadstoff-verpestet-unsere-Luft-id30816874.html

 

Umweltbundesamt (UBA) – Marine Ökotoxikologie:

Auswirkungen von Silikonölen auf die marine Umwelt, Offizieller Dokumenten-Download: www.umweltbundesamt.de/dokument/auswirkungen-von-silikonoelen-auf-die-marine-umwelt


Cosmethically Active (Internationales Experten-Netzwerk für Kosmetikformulierung):

Silicones in Cosmetics and Their Impact on the Environment. Wissenschaftliche Analyse zur Halbwertszeit von Cyclosiloxanen (D5) im Bodenschlamm (Sediment) von über 1.200 Tagen sowie zum atmosphärischen Transport flüchtiger Verbindungen: cosmethicallyactive.com/silicones-in-cosmetics-and-their-impact-on-the-environment/


3. Dermatologie, Haarmedizin & Chemische Grundlagen

 

Chemie.de – Das Wissenschaftslexikon:

Struktur, Eigenschaften und Synthese von Silikonen (Polyorganosiloxanen).

Chemischer Fachbeitrag: www.chemie.de/lexikon/Silikone.html

 

National Center for Biotechnology Information (NCBI):

Hair Cosmetics: An Overview (Klinische Studie zu Dimethiconen, Haarschäden und kationischen Polymeren). Medizinische Kernstudie auf PubMed: PMC4387693 / Hair-Cosmetics www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4387693

 

Dermaviduals Fachpublikation (Dr. rer. nat. Hans Lautenschläger):

Öle und Fette in kosmetischen Produkten – Natur contra Petrochemie (Langfassung).

Hautphysiologische Analyse zur Okklusion und Barrierefunktion: www.dermaviduals.de/deutsch/publikationen/hautschutz/oele-und-fette-in-kosmetischen-produkten-natur-contra-petrochemie-langfassung.html

 

Cosmacon Kosmetik-Fachglossar:

Toxikologische Profile und gesetzliche Beschränkungen von Cyclomethicone (D4/D5/D6). Branchen-Expertenbericht zur Beeinträchtigung der Fortpflanzung: www.cosmacon.de/glossary/cyclomethicone

 

Mags Haircare Guide: Good and bad silicones in hair products (Praxis-Leitfaden zur Auswaschbarkeit und Viskosität). Friseur- und Verbraucher-Expertise: askmags.com

askmags.com/hair-products/good-and-bad-silicones-2/


4. Bauphysik und Umweltmedizin


Umweltbundesamt (UBA):

Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden („Schimmelleitfaden“). Medizinisch-baubiologische Richtlinie zu kapillarem Feuchtigkeitseintritt, Substanzschädigung des Mauerwerks und bauphysikalischen Dehnungsfugen: www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/schimmel/aktueller-uba-schimmelleitfaden


Umweltbundesamt (UBA):

Ratgeber: Schimmel im Haus – Ursachen, Wirkungen, Abhilfe.

Offizieller Verbraucherratgeber zu baulichen Feuchtigkeitsschäden und gesundheitlichen Risiken von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen: www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/4031/publikationen/240513_uba_fb_schimmelleitfaden_0.pdf


Robert Koch-Institut (RKI) / Bundesgesundheitsblatt:

Gesundheitliche Bewertung von Schimmelpilzbelastungen in Innenräumen. Gemeinschaftliche medizinische Bestandsaufnahme zu chronischen Atemwegserkrankungen, Asthma bronchiale und allergischen Lungenreaktionen durch Pilzsporen: edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/285/28g88vgPdL11wE.pdf


Building Science Corporation (USA – Führendes Institut für Bauphysik): Report RR-0211: Mold Causes, Health Effects and Clean-Up. Wissenschaftlicher Forschungsbericht über die physikalischen Gesetzmäßigkeiten von Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk und deren direkte toxische Auswirkung auf die menschliche Lunge: buildingscience.com/documents/reports/rr-0211-mold-causes-health-effects-and-clean-up/view


Energie- und Umweltzentrum e.V. (EANOK) / Umweltbundesamt (UBA): Ratgeber: Schimmel im Haus – Ursachen, Wirkungen, Abhilfe. Medizinisch-baubiologisches Dossier über den unumgänglichen Zusammenhang zwischen unversiegelten Bauschäden, Sporenbelastung und chronischen Atemwegserkrankungen: www.eanok.de/images/beratung-und-information/infothek/umwelt-und-gesundheit/Ratgeber_Schimmel_im_Haus.pdf

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